PV-Anlage
Wärmepumpe und PV-Anlage. Wann sich die Kombination lohnt.
Selbst erzeugter PV-Strom kostet 8 bis 12 ct/kWh, Wärmepumpenstrom aus dem Netz 26 ct/kWh. Wer beides kombiniert, senkt die Heizkosten weiter — aber nur, wenn Dimensionierung, Speicher und Energiemanagement zueinander passen.
Stand: Mai 2026. Werte für Mitteldeutschland (950 kWh/kWp Jahresertrag), Strompreis Mittel.
Eigenverbrauch
30 – 75 %
je nach Speicher und EMS
Jährliche Ersparnis
800 – 2.300 €
Strom + Einspeisevergütung
Amortisation
10 – 15 J.
PV + Speicher gesamt
Vier Hebel, die die Synergie auslösen
PV und Wärmepumpe addieren sich nicht einfach — sie multiplizieren ihren Nutzen, wenn man vier Punkte versteht.
Eigenverbrauch im Sommer
PV-Strom kostet selbst erzeugt nur 8 bis 12 ct/kWh, Wärmepumpenstrom aus dem Netz 26 ct/kWh. Im Sommer läuft die Wärmepumpe für Warmwasser tagsüber genau dann, wenn die PV-Anlage am meisten produziert. Eigenverbrauch typisch 30 bis 50 %.
Speicher verlängert die Wirkung
Ein 10-kWh-Stromspeicher verschiebt PV-Überschuss in den Abend, wenn die Pumpe für Raumheizung läuft. Eigenverbrauch steigt auf 50 bis 70 %. Speicher kostet 6.000 € bis 12.000 €, amortisiert sich über die Wärmepumpe schneller als isoliert betrachtet.
Dynamische Tarife schließen die Lücke
Im Winter produziert die PV-Anlage nur 10 bis 20 % der Wärmepumpenlast. Tibber, Octopus oder awattar liefern in diesem Zeitraum günstigen Börsenstrom (15 bis 22 ct/kWh) und steuern die Pumpe nachts in günstige Lastphasen.
Heartbeat- und EMS-Systeme optimieren automatisch
Smart-Home-Energiemanagementsysteme (z. B. 1KOMMA5° Heartbeat, SMA Sunny Home Manager, openEMS) verbinden PV, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox. Sie schieben Lasten automatisch in PV-Zeiten und sparen 200 bis 600 € jährlich gegenüber starren Tarifen.
Dimensionierung nach Haustyp
Empfohlene PV- und Speichergrößen für die häufigsten Szenarien. Wärmepumpenstrom ist enthalten.
| Hausszenario | Stromverbrauch ges. | PV empfohlen | Speicher |
|---|---|---|---|
| EFH 140 m², Wärmepumpe Luft-Wasser | 9.500 kWh | 10 – 14 kWp | 10 – 15 kWh |
| EFH 200 m², Wärmepumpe + E-Auto | 13.000 kWh | 14 – 20 kWp | 15 – 25 kWh |
| EFH 100 m², Neubau KfW-55 | 7.000 kWh | 8 – 10 kWp | 8 – 10 kWh |
| MFH 6 WE mit zentraler Wärmepumpe | 44.000 kWh | 30 – 50 kWp | 40 – 80 kWh |
Faustregel: PV-Leistung (kWp) = jährlicher Stromverbrauch ÷ 950. Speicher etwa gleich groß in kWh wie die WP-Heizlast in kW (10 kW Heizlast → 10 kWh Speicher).
Beispielrechnung 12 kWp + 12 kWh-Speicher
EFH 140 m² mit Luft-Wasser-Wärmepumpe (JAZ 3,5), 9.500 kWh Jahresverbrauch. Anlagenpreis inkl. 0 % MwSt., Installation und Anmeldung.
- PV-Anlage
- 12 kWp / 18.000 €
- Speicher
- 12 kWh / 9.600 €
- Investition gesamt
- 27.600 €
- PV-Ertrag/Jahr
- 11.400 kWh
- Eigenverbrauch
- 6.270 kWh (55 %)
- Einspeisung
- 5.130 kWh
- Stromkosten-Ersparnis
- 1.881 €/Jahr
- Einspeisevergütung
- 421 €/Jahr
- Gesamt-Vorteil pro Jahr
- 2.302 €
- Amortisation
- 12 Jahre
Annahme: Strompreis 0,30 €/kWh (Mischtarif aus Haushalt und Wärmepumpe), Einspeisevergütung 8,2 ct/kWh, Eigenverbrauchsanteil 55 % (mit Speicher + SG-Ready Wärmepumpe). Ohne Speicher-Förderung gerechnet.
Stolperfallen bei der Kombination
PV zu klein für die Wärmepumpe geplant
Eine PV-Anlage, die für den alten Haushaltsstrom passte, ist für PV + Wärmepumpe oft zu klein. Wer im selben Zug auf Wärmepumpe umrüstet, sollte die PV mindestens 30 bis 50 % größer dimensionieren als ohne Pumpe.
Wärmepumpe ohne SG-Ready-Funktion
Pumpen ohne SG-Ready oder offene Schnittstelle können nicht gezielt in PV-Überschuss-Zeiten angesteuert werden. Eigenverbrauch bleibt auf 25 bis 35 % begrenzt. Vor Kauf prüfen — fast alle BAFA-gelisteten Modelle sind heute SG-Ready, aber nicht alle Konfigurationen sind aktiviert.
Zwei getrennte Stromzähler vergessen
Für den günstigen Wärmepumpentarif braucht die Pumpe einen separaten geeichten Zähler. Bei PV + Speicher + Wärmepumpe kommt es schnell zu komplexen Mess-Konzepten — Kaskaden- vs Summenzähler-Modell vorher mit dem Netzbetreiber klären.
Förderungs-Doppelung verhindert
Wärmepumpe wird über KfW 458 gefördert, PV-Anlage über 0 % MwSt. und Einspeisevergütung. Doppelförderung im selben Antrag ist ausgeschlossen — die beiden Töpfe sind getrennt. Manche Bundesländer (Bayern, MV) bieten zusätzliche Speicher-Förderung, kombinierbar.
Empfehlung
Komplett-Angebot für PV plus Wärmepumpe?
PV-Anlage und Wärmepumpe in einer Hand zu planen ist effizienter als zwei getrennte Vergabe-Prozesse. Komplettanbieter wie Enpal, 1KOMMA5° oder Zolar liefern Auslegung, Hardware, Installation und Monitoring aus einem Guss inklusive Energiemanagement. Affiliate-Programm in Vorbereitung — sobald freigeschaltet, kommt hier ein konkreter Partner.
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Wann lohnt sich die Kombination nicht?
Drei Konstellationen, in denen die Kombination wirtschaftlich keinen Sinn macht.
- ✗ Dach nicht geeignet: Verschattung, Nordausrichtung steiler als 30°, denkmalgeschützt oder zu klein für ≥ 8 kWp.
- ✗ Geplanter Verkauf in unter 8 Jahren: PV + Speicher amortisieren sich nicht. Wärmepumpe alleine mit BEG-Förderung lohnt sich trotzdem.
- ✗ Wärmepumpe ohne SG-Ready oder Steuerschnittstelle: Eigenverbrauch zu niedrig, Speicher rechnet sich nicht. Erst Pumpentausch, dann PV.
Empfehlung
Solange noch keine eigene PV-Anlage steht — Ökostrom als Sofortlösung
Bis deine PV-Anlage geplant und installiert ist, vergehen 4 bis 8 Monate. In dieser Zeit läuft die Wärmepumpe mit Netzstrom. Ein Wechsel auf einen reinen Ökostrom-Tarif ist sofort möglich — NaturStrom liefert aus deutschen Wind- und Wasserkraftwerken, ohne Atom, ohne Kohle. Preislich liegt das im Bereich des Grundversorger-Standards.
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Häufige Fragen zu PV plus Wärmepumpe
- Wie groß sollte die PV-Anlage für eine Wärmepumpe sein?
- Faustregel: PV-Leistung in kWp = (jährlicher Stromverbrauch in kWh) / 950. Bei einem EFH mit Wärmepumpe und 9.500 kWh Gesamtverbrauch sind das 10 kWp. Größer macht Sinn, wenn ein E-Auto dazukommt oder ein Speicher verbaut wird.
- Wie hoch ist der Eigenverbrauchsanteil bei PV + Wärmepumpe?
- Ohne Speicher: 25 bis 35 %. Mit 10-kWh-Speicher: 50 bis 65 %. Mit Energiemanagement-System und SG-Ready-Pumpe: 60 bis 75 %. Mehr als 75 % ist kaum erreichbar — im Winter produziert die PV-Anlage zu wenig, im Sommer zu viel, was die Pumpe ohne Cooling-Option nicht nutzen kann.
- Lohnt sich ein Stromspeicher bei der Kombination?
- Ja, im Gegensatz zu Haushalten ohne Wärmepumpe rechnet sich der Speicher hier besser. Die Wärmepumpe schiebt typisch 1.500 bis 3.000 kWh Eigenverbrauch zusätzlich über den Speicher, was 450 bis 900 € pro Jahr spart. Amortisation 8 bis 12 Jahre bei 8.000 bis 12.000 € Speicher-Invest.
- Was ist mit der Förderung für PV?
- 2026 gibt es für PV-Anlagen keine direkte Bundesförderung mehr, dafür einen 0-%-Mehrwertsteuer auf Anlagen bis 30 kWp und Speicher. Einspeisevergütung 2026: 8,03 ct/kWh für Anlagen bis 10 kWp, danach gestaffelt niedriger. Manche Bundesländer fördern Speicher separat (z. B. Bayern Mai 2026: 500 € Pauschale).
- Kann eine Wärmepumpe rein mit PV-Strom laufen?
- Im Sommer ja, weitgehend. Im Winter nein. Eine 10-kWp-Anlage produziert im Dezember/Januar nur 5 bis 10 % der jährlichen Strommenge — etwa 50 bis 100 kWh pro Monat. Eine Wärmepumpe braucht in dieser Zeit 600 bis 1.200 kWh. Restbedarf kommt aus dem Netz. Vollautarkie ist mit aktueller Technik wirtschaftlich nicht darstellbar.
- Welches Energiemanagement-System passt zur Wärmepumpe?
- Voraussetzung: die Pumpe ist SG-Ready oder hat eine offene Schnittstelle (Modbus, EEBus). Bekannte EMS: 1KOMMA5° Heartbeat (Komplettanbieter), SMA Sunny Home Manager (mit SMA-Hardware), openEMS (Open Source, technik-affine User), evcc (kostenlos, für Wallbox + Wärmepumpe). Ohne EMS verschenkt man typisch 200 bis 600 €/Jahr Optimierungspotenzial.
- Senkt die PV-Anlage die BEG-Mindest-JAZ-Anforderung?
- Nein, die BEG-Förderung bewertet die Wärmepumpe isoliert nach VDI 4650, unabhängig vom Stromherkunft. Mindest-JAZ 3,0 bei Luft-Wasser, 3,8 bei Sole-Wasser bleibt. Die PV-Anlage kann separat über den 0-%-Mehrwertsteuer-Vorteil gefördert werden, aber nicht über BEG kombiniert.
Nächste Schritte
-
Wärmepumpen-Kosten berechnen →
Erst die Pumpe planen, dann die PV ergänzen
-
Stromkosten verstehen →
Tariftypen und Spartipps für Wärmepumpenstrom
-
JAZ-Schätzer →
Wie viel Strom braucht deine Pumpe
-
Förderung 2026 →
BEG 70 %, KfW 458 und Boni-Stack